Für Eltern

Du kannst deinen Kindern deine Liebe geben, nicht aber deine Gedanken. Sie haben ihre eigenen. Khalil Gibran

Pubertät

Für 2022 sind im Herbst weitere Elternabende zum Thema Pubertät geplant, die aktuellen Informationen dazu finden Sie auch immer unter „Termine“ und bei  „News u. Aktuelles“

Medienkompetenz

Für 2022 sind weitere Elternabende zum Thema Medienkompetenz geplant, die aktuellen Informationen dazu finden Sie auch immer unter „Termine“ und bei  „News u. Aktuelles“

Termine

Spiel

… wenn man genügend spielt, solange man klein ist, dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann.
Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer wird.
Was auch geschieht, was man auch erlebt, man hat diese Welt in seinem Innern, an die man sich halten kann.
Astrid Lindgren

Veröffentlicht in: Freelounge, 2/2013 S. 56-59

Fallen lernt man nur durch Fallen
Lernen Kinder, die mit dem Auto zur Schule gefahren werden, wie man sich im Straßenverkehr verhält? Welches Verhältnis zur Natur und zum eigenen Körper entwickeln Kinder, die nicht auf Bäume klettern dürfen? Brauchen Kinder Risikokompetenz und wenn ja, wie lernt man den Umgang mit dem Risiko am besten?

Kinder sollen gesund und sicher aufwachsen, dafür müssen Erwachsene sorgen. Deshalb ist im Artikel 3 der Straßenverkehrsordnung geregelt, dass die Geschwindigkeit und Bremsbereitschaft so anzupassen ist, dass Kinder nicht gefährdet werden. Deshalb werden Spielgeräte auf Spielplätzen regelmäßig kontrolliert. Aus diesem Grund dürfen Kinder nicht auf Bäume klettern und viele Eltern lassen ihre Kinder den Schulweg oder den Weg zu anderen Aktivitäten nicht allein oder mit anderen Kindern bewältigen. Notwendige Sicherheit oder Überbehütung?
Eltern müssen abwägen, welches Risiko sie Kindern zutrauen oder wo sie besser eingreifen, um sie zu beschützen. Diese Abwägungen fallen von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus.
Es gibt aber auch allgemeine Trends: Im Augenblick trauen Eltern ihren Kinder wenig Kompetenz im Bewältigen von Risiken zu. Sie fürchten, dass ihre Kinder trotz Verkehrserziehung und trotz vielen planerischer Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung nicht den Straßenverkehr bewältigen können, dass sie von Fremden angegriffen werden könnten oder ohne Aufsicht die Gefahren beim Klettern, Rennen oder Raufen nicht einschätzen können.

Was ist ein Risiko?
Ein Risiko ist ein Vorgang mit einem unbestimmten Ausgang. Wenn das Wort Risiko fällt, verbindet man damit meist einen negativen Ausgang, etwas das es zu vermeiden gilt.
Aber: Risiken bestimmen unseren Alltag. Ob wir einen Kuchen backen, joggen, eine Straße überqueren, mit Kunden verhandeln, in jedem Augenblick treffen wir Entscheidungen. Wir versuchen diese Entscheidungen so zu treffen, dass sie sich als günstig für uns selbst und andere herausstellen. Aber das Risiko, dass der Kuchen anbrennt, man sich den Fuß verstaucht, ein schnellfahrendes Auto übersieht oder der Kunde ganz andere Vorstellungen von einer fairen Lösung hat, ist stets vorhanden. Wir haben jedoch aufgrund unserer Erfahrung gelernt, das Risiko von negativen Folgen zu minimieren. Risikokompetenz zu erwerben ist ein Lernprozess. Den müssen Kinder durchlaufen.

Lernprozess Risikokompetenz
Wissenschaftler – vorwiegend in Skandinavien, Großbritannien und den USA, leider kaum in Deutschland – führten in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen über das Risikoverhalten von Kindern durch. Dabei stellte sich heraus, dass Kinder ein großes Bedürfnis haben, Risiken auszuprobieren und die Grenzen dessen, was sie können, ständig zu
erweitern. Dies dürfte wenig überraschend sein, denn Kinder spielen, und das hervorstechendste Kennzeichen von Spiel ist, dass das Ergebnis eines Spiels nie von vorn herein feststeht. Andernfalls wäre es kein Spiel.
Spielende Kinder sind dann am erregtesten, wenn sie ein Wagnis eingehen, wenn sie nicht wissen, ob sie das, was sie vorhaben, tatsächlich klappt. Diesen Zustand suchen Kinder im risikoreichen Spiel. Wesentlich dabei ist, dass sie gerade nicht blind Risiken eingehen. Sie wägen bewusst für sich ab zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und der Aussicht, nach
bewältigtem Risiko ein Gefühl großer Freude zu erleben. Das Risikoverhalten von Kindern ist also ein kognitiver Vorgang, ist durch den Verstand gesteuert. Die Abwägung ist abhängig davon, ob Kinder vom Charakter her eher draufgängerisch sind oder vorsichtig agieren und negative oder positive Vorerfahrungen gemacht haben. Jungen gehen im Mittel - wenig überraschend –höhere körperliche Risiken ein.
Risikokompetenz, also die Fähigkeit tendenziell richtige Entscheidungen über die eigene Fähigkeiten zu treffen, erhöht den Status in einer Kindergruppe. Sie zeigt Verantwortungsbewusstsein und Reife. Der Umgang mit einem bestimmten Risiko ist Thema in der Gruppe. Es wird diskutiert, welches Risiko akzeptabel ist und wann man seine negativen Gefühle zeigen kann.

Spiel als Trainingslager
Der Umgang mit Risiken, von Erwachsenen wie von Kindern, ist also ein hochkomplexer kognitiver Vorgang und muss gelernt werden. Spiel bietet dazu eine ideale Basis. Und genau das wollen Kinder auch tun. Warum? Evolutionswissenschaftler gehen davon aus, dass Spiel die vorherrschende Tätigkeit von Kindern in Jäger- und Sammlergesellschaften war und ist. In dieser Kultur vollzog sich die biologische Entwicklung zum Jetztmenschen, zum Homo sapiens sapiens, nicht nur seines Körpers, sondern auch seines Verhaltens. Erkennbar wird die hohe Bedeutung von Spiel für die Entwicklung daran, dass auch Jungtiere von höheren Tierarten spielen. Ist das für die heutige moderne Lebensweise belanglos?

Werden durch Risikovermeidung langfristige Risiken erzeugt?
Tatsache ist, dass freies Kinderspiel draußen, ich will es Draußenspiel nennen, in den letzten Jahrzehnten immer weniger beobachtet werden kann. Es gehört nicht mehr zu einer durchschnittlichen Kindheit dazu, dass Kinder ohne pädagogische Betreuung im Wohnumfeld mit selbstgewählten Spielkameraden, meist alters- und geschlechtsgemischt spielen.
Tatsache ist auch, dass 15% der deutschen Kinder als übergewichtig gelten. Ärzte, Lehrer und Sportwissenschaftler stellen zum Teil beängstigende Defizite in der körperlichen Entwicklung von Kindern fest. Untersuchungen zur Motorik und körperlichen Leistungsfähigkeit von Kindern zeigen eine Abwärtstendenz über die letzten Jahrzehnte. Bei immer mehr Kindern werden psychische Auffälligkeiten diagnostiziert. Hat das auch damit zu tun, dass immer weniger Kinder draußen spielen? Haben Kinder zu wenig
Möglichkeit, sich selbst als wirksam zu erleben? Vermutet wird, dass es da einen Zusammenhang gibt. Im körperlich aktiven Spiel draußen können Kinder im eigenen Tempo eigene Ziele mit eigenen Ideen verfolgen, indem sie zum Beispiel Buden bauen, bolzen, im Bach waten oder Fische beobachten. Erwiesen ist, dass körperlicher Aktivität sich positiv auf
das Konzentrationsvermögen und die seelische Grundstimmung auswirkt.
Also: Erkaufen wir uns den Anschein von Sicherheit für Kinder mit langfristigen Risiken für die körperliche und psychische Entwicklung der Kinder? Und: Leben Kinder eigentlich sicherer, wenn sie nichts ohne Erwachsene tun? Untersuchungen zufolge ist die Zahl an Spielplatzunfällen nicht zurückgegangen. Mangelnde Bewegungsübung und das Bedürfnis,
Risiken auf sich zu nehmen, führen dazu, dass auch heute noch Kinder verunfallen. Sogar die Unfallkassen raten aus den beschriebenen Zusammenhängen heraus dazu, Kindern regelmäßig freies Spiel zu gewähren.

Sichere Spielräume für risikoreiches Spiel
Allerdings benötigen Kinder sichere und überschaubare Spielräume, um altersgemäß ihrem Bedürfnis nach Selbsterfahrung nachzugehen. Mit einigen Spielplatzinseln in einer sonst für Kinder unzugänglichen Umwelt ist es nicht getan. Über Möglichkeiten dazu wurde in dieser Zeitschrift schon mehrfach berichtet: Grünflächen ohne Hundekot und Müll müssen
bespielbar sein. Verlorengegangene Brachflächen könnten durch Naturerfahrungsräume ersetzt werden. Mit Hilfe von Spielleitplanungen, deren Ergebnisse auch von den Kommunen ernst genommen werden müssen, können Kinderinseln vernetzt und neue Freiräume erschlossen werden.
Letztendlich ist das Wichtigste für Eltern und Erzieher aber, einfach anzufangen und Kinder da spielen lassen, wo es in ihrem individuellen Nahraum möglich ist, in der Wohnumgebung, im Garten, im Urlaub und in der Ganztagsbetreuung.
Unser Alltag besteht aus einer Reihe von Entscheidungen, deren Risiken wir bewusst oder unbewusst laufend abschätzen. Dies muss gelernt und geübt werden. Draußenspiel ist die ideale Trainingsmöglichkeit. Das Bedürfnis dafür ist evolutionär angelegt. Dazu brauchen Kinder überschaubare Freiräume. Das Risiko von Entwicklungsstörungen ist hoch. Das wiegt
gelegentliche Schrammen, Tränen und zerrissene Kleidung allemal auf.

Dr. Christiane Richard-Elsner koordiniert im ABA Fachverband, Dortmund die Aktivitäten zum Thema Draußenspiel. Außerdem forscht sie zum Thema Kindheit.

Link: www.draussenkinder.info

Literatur:
Bundesverband der Unfallkassen: GUV-SI 8074 - Bewegung und Kinderunfälle
DIN 18034: Spielplätze und Freiräume zum Spielen - Anforderungen für Planung, Bau und
Betrieb

Eltern können viel mehr für ihre Kinder tun als nur gutes Spielzeug kaufen.

Sie können für eine spielfreundliche Atmosphäre sorgen, ohne übertriebene Ordnungssucht und Verbote. Am schönsten für ein Kind ist es, wenn die Eltern selbst spielfreundlich sind. Sie geben ihm das Gefühl schon als kleiner Mensch ganz ernst genommen zu werden. Und das ist ein guter Start.

These 1: Sag' nie, das ist ja bloß ein Spiel!
Erwachsene schauen meist von oben herab auf die Spiele ihrer Kinder, weil sie nichts "einbringen", weil nichts "Vernünftiges" dabei heraus kommt. Wechseln sie doch 'mal die Position. Betrachten sie die Bauklotzwelt aus der Drei-Käse-hoch-Perspektive. Was Kreativität und Phantasie angeht, ist sie der Erwachsenen-Arbeitswelt an Computer und Schreibmaschine haushoch überlegen. Und außerdem: ein Kind, das Ausdauer und Konzentration im Spiel erlernt, tut sich mit der "vernünftigen Arbeit" in Schule und Beruf später viel leichter.

These 2: Respekt vor Kinder-Eigentum !
Beurteilen Sie das Spielzeug ihres Kindes nicht nur aus dem Blickwinkel der Erwachsenen, denn liebes Spielzeug hat "Seele", und gerade das mitgenommenste hat davon am meisten. Schenken oder werfen sie Spielzeug niemals weg, ohne ihr Kind vorher gefragt zu haben. Wir können oft gar nicht wissen, welche Dinge dem Kind besonders lieb geworden sind.

These 3: Mach' kein Kind mit Fertig-Spielzeug fertig!
Zum Spielen braucht ein Kind Zeug, es muß gar nicht immer Spielzeug sein. Im "Zeug" das Spielzeug entdecken ist Privileg der kindlichen Phantasie, die viel kreativer ist als unsere erwachsene. Erklären sie deshalb leere Garnrollen und alte Knöpfe, Schachteln und Stöckchen, Flicken und leere Papprollen nicht einfach zu Müll. Und gehen Sie mit den selbstgefertigten Bastelprodukten Ihres Kindes sorgsam um: In jedem steckt so viel Mühe und Ausdauer, die wir Erwachsenen zu unserer Arbeit oft nicht mehr aufbringen.

These 4: Nimm deine eigene Ordnung nicht so wichtig!
Am Anfang war das Chaos - und wird es immer sein. Ordnung ist Einsicht in Notwendigkeiten, und die muß man erst erfahren. Wer sein Kind zu stetem Ordnungshalten zwingt, fördert diese Einsicht nicht. Wer abbauen muß, was er gerade mit Liebe aufgebaut hat, nur damit Ordnung herrscht, wird diese Ordnung hassen. Und nicht nur als Kind.

These 5: Nimm deine Ruhe nicht so wichtig!
Zum Mitspielen aufgefordert zu werden, ist ein Kompliment. Enttäuschen Sie die Erwartung Ihres Kindes nicht zu oft, wenn es sich auf Ihr Mitmachen freut. Wenn es merkt, daß Sie nur widerwillig mit ihm spielen, wird es Sie bald nicht mehr auffordern. Kindern haben ein feines Gespür, sie merken sofort, wenn man sie mit einem neuen Spielzeug nur abschieben will - und behandeln es entsprechend.

These 6: Platz dem Spiel! Denn Kinder sind Mit-menschen!
Verbannen Sie ihr Kind nicht mit seinem Spielzeug ins Kinderzimmer, auch wenn Sie es gut und schön eingerichtet haben. Kinder fühlen sich dort leicht wie in Einzelhaft. Beim Spielen braucht man Nähe und Kontakt. Und wer nicht allein ist, fühlt sich stärker.

These 7: Spiel nicht den Friedensengel!
Mischen Sie sich in Spiele nur ein, wenn Sie wirklich gefragt werden. Kinder wollen - und dürfen! - nicht jedes Problem gelöst bekommen. Spielen ist Leben. Und nichts kann einem Kind ein Spiel so verleiden, wie wenn ihm ein Erwachsener mittendrin erklärt, was es besser machen soll. Das sind Chefallüren, die jedes Spiel endgültig abwürgen.

Diese Thesen gelten im Großen natürlich erst recht auch gesamtgesellschaftlich. Kinder sind wertvoll und gehören genau in unsere Mitte!

Spiel ist eine (vom Kind) freiwillig gewählte und selbstgesteuerte Aktions- und Ausdrucksform. Kinder spielen um ihrer selbst willen Spiel bereitet Vergnügen und schafft Befriedigung. Viele Spiele sind auf der Welt weit verbreitet.

In einer von Leistungsdenken geprägten und an Erfolg orientierten westlichen Gesellschaft genießt das Spiel, im Gegensatz zum Lernen, zuweilen nur geringen Stellenwert, da viele Erwachsene hartnäckig an dem Vorurteil festhalten, dass Spiel bloß Zeitvertreib ist, der nichts einbringt.

•Spiel ist ein Urbedürfnis des Menschen
•Vielseitig, frei, unberechenbar
•Spielen tut gut – Kindern und Erwachsenen
•Wissenschaftlich belegt ist inzwischen, dass Kinder sich nur dann gesund entwickeln, wenn sie viel spielen
Und da sind wir schon beim Problem: Kinder haben heutzutage einen Terminkalender – managergleich – Sie werden im Auto gefahren, sitzen am Fenster, vor dem Computer oder Fernseher... Daher sind laut ärztlichen Untersuchungen z.B. Kraft und Ausdauer bei unseren Kindern so schwach ausgebildet, wie nie zuvor. Rückwärtslaufen, balancieren, hüpfen.....

(kein Platz für Kinder - „Manchmal möchte ich lieber ein Auto sein !“)

Spielen ist wichtig für die Sozialisation.

•eine aktive, freiwillige Handlung, die Spieler in ihrer ganzen Person beansprucht
•schafft eine „als ob“ Realität,• die jedoch einen Bezug zur Wirklichkeit hat
•macht Spaß
•ist gekennzeichnet durch Rhythmisierung: An- und Entspannung, Zufall und Regel, Eingriff und Eigendynamik
Spielen heißt:

•Erfahrungen machen mit Personen, Sachen, Räumen und Ideen
•Verhalten erproben und die Wirkungen in• der Umwelt kennenlernen
•Zusammenhänge erkennen, begreifen und daraus• Schlüsse für das eigene Verhalten ziehen
•beim spielerischen Erproben• Orientierung finden und Einstellungen entwickeln
Spiel als Methode

In einer Stunde Spiel kann der Mensch mehr lernen als in einem ganzen Leben Gespräch (Platon)
Ganzheitliches Lernen – inszeniert, in Gruppen oder im Alltag. Freies Spiel sich ausprobieren, sich selbst erfahren, Grenzen erlernen und akzeptieren lernen. Regelspiel Wettbewerbscharakter oder kooperatives Handeln gegen oder mit dem Partner Fördert Sozialverhalten und Kreativität. Spiel stärkt Persönlichkeitsentwicklung, Intelligenz, Kreativität, Selbständigkeit und Selbstvertrauen. Spielende Kinder sind in der Regel aktiver, leistungsfähiger, gesünder und vor allem glücklicher !

Theorie und Praxis
Spielen ..... leichter gesagt als getan.

„Spielen ist kein Kinderspiel !“