Spielende Stadt

Konzept

Ausgangslage:

Die räumliche Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen hat sich in den letzten Jahrzehnten
sehr verändert. Nicht nur in Städten, zunehmend auch in ländlichen Regionen sind die
Möglichkeiten für Mädchen und Jungen, anregungsreiche und vielfältige Spiel- und
Aufenthaltsbereiche zu finden, die zugleich leicht und gefahrlos zu erreichen sind, weniger
geworden. Kinder im Besonderen brauchen solche Räume, um sich dort bewegen und mit
allen Sinnen Hören, Sehen, Riechen, Tasten, Fühlen erfahren und lernen zu können. Aber
auch Jugendliche brauchen attraktive Außenräume: Treffs mit den Gleichaltrigen, Plätze,
Brachen oder Grünflächen, die spontanes Spiel, Kommunikation und Bewegung
ermöglichen

Kinder spielen wenig draußen und wenn, dann auf „konzentrierten“ Flächen, den Kinderspielplätzen. Im öffentlichen Raum sind genügend bespielbare Flächen vorhanden, jedoch machen viel befahrene Straßen und das Fehlen von verkehrsgeschützten Flächen außerhalb von Spielplätzen den Kindern das spielende Leben schwer. Sie haben ein natürliches Bedürfnis nach Bewegung, nach Platz und nach sozialen Kontakten. Die rasante Entwicklung der Unterhaltungselektronik in den letzten Jahren erschwert es Familien, Kinder „draußen“ spielen zu lassen, oft erscheint ein Nachmittag am PC, der Playstation oder an der Wii interessanter – bequemer ist er auf jeden Fall. Dies und der fehlende sichere Bewegungsraum „vor der Tür“ haben zur Folge, dass Kinder unter körperlichen Beeinträchtigungen wie Bewegungsmangel, Haltungsschäden, Verlust der motorischen Fähigkeiten leiden. Hinzu kommt, dass Kinder heutzutage viel von den Eltern mit dem Wagen gefahren werden, sie kennen ihre täglichen Wege oftmals nur noch vom elterlichen Auto aus. Wege mit dem Fahrrad, einem Roller oder zu Fuß zurück zu legen, kommt immer seltener vor, wird als langweilig und eintönig oder gefährlich eingestuft, weil sie es zum großen Teil auch sind.

Wenn aber Eltern oder Großeltern sich auf den Weg machen, mit den Kindern gemeinsam Spielräume zu erobern, dann wird nur eine Generation angesprochen, nämlich die jüngste. Spielplätze sind in der Regel auf das Alter von 4 bis 12 Jahren ausgelegt, nachfolgende Altersgruppen sind zum zuschauen und sich langweilen verurteilt. Es fehlen generationsübergreifende attraktive Aufenthaltsorte, die ganzen Familien Spiel- und Bewegungsspaß bieten oder gesundheitsfördernde Mobilität.

Die durch die Erstellung des Kinderstadtplans 2010 nach einer Umfrage bei Kindern und Jugendlichen erfassten Daten können in das Konzept „Spielende Stadt“ eingearbeitet werden. U.a. wurden Lieblingsorte und gute Treffpunkte genannt, an denen durch die Schaffung eines Spiel- oder Beschäftigungsangebots eine Steigerung der Aufenthaltsqualität erfolgen kann, aber auch bei der Umfrage als „unheimlich/gefährlich“ eingestufte Orte können durch Steigerung der Attraktivität (z.B. durch Spielgeräte) eine Aufwertung erfahren.

Kinder und Jugendliche sind Trägerinnen und Träger eigener Rechte und als Expertinnen und Experten ernst zu nehmen, besonders wenn es um ihre eigenen Angelegenheiten geht. Sie haben ein Recht auf Mitbestimmung und Mitgestaltung.

Wir ermöglichen bekanntermaßen seit vielen Jahren die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, u.a. bei der Spielraumgestaltung und in verschiedenen Projekten.

Der Begriff „Spielraum“ geht über den klassischen Spielplatz weit hinaus: Er schließt auch Schulhöfe, ganze Schulgelände, Plätze, Grünflächen und mehr ein. Jeder Freiraum kann Spielraum sein oder zu einem solchen werden.

Deshalb sprechen wir auch seit vielen Jahren von Spielraumplanung und Spielraumgestaltung…… – in Quickborn sind bereits erste Schritte gegangen, z.B. auch mit der Öffnung von Schulhöfen oder der Einrichtung von kleinen Spielmöglichkeiten in der Innenstadt.

Aber auch Spielplätze sollen nicht nur Orte sein, die mit allem, was die Spielgerätehersteller zu bieten haben, bestückt sind. Der ideale Spielplatz ist die ungestaltete Wildnis.

Durch ständig neue Sicherheitsvorschriften, Verbote, Auflagen, Ordnungsdenken und Lärm ist so ein „Spielort“ aber im öffentlichen Raum nicht mehr wirklich möglich.

Im Bereich der Spielräume gilt das sprichwörtliche „weniger ist oft mehr“. Die Qualität der Gesamtgestaltung, die durch Aufforderungscharakter und Veränderbarkeit bestimmt wird, kennzeichnet den Wert eines Spielraums. Die sinnvolle Ergänzung eines naturnah modellierten und gestalteten Geländes mit passenden Elementen ist reizvoller als Spielplätze, die nach Standardmuster mit Geräten bestückt werden.  In der Regel ist eine naturnahe Gestaltung auch preisgünstiger in Bau und Erhaltung.

Daher beschreitet unsere Spielplatzplanung seit längerem einen kinderfreundlichen Weg, der den Kindern noch funktionierende Spielräume ermöglicht.

So haben wir z.B. den Spielplatz Jahnstraße teilweise naturnah gestaltet.

Idee und Ziel

Wir wollen eine moderne, soziale, kind- und jugendgerechte Stadt gestalten, gemeinsam etwas erarbeiten und bewegen, naturnah und mit allen Sinnen planen:

Damit Träume Wirklichkeit werden, wollen wir das Konzept Quickborn „Spielende Stadt“ umsetzen.

Es ist durch wissenschaftliche Untersuchung lange bewiesen, dass es Zusammenhänge zwischen der Qualität des Wohnumfeldes und des Gesundheitszustandes der Bevölkerung gibt.

Es wurde nachgewiesen, dass Nachbarschaftseinrichtungen wie Spielplätze, Parks oder offene Flächen einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen haben.

Eine die Bewegung fördernde Umfeldplanung unterstützt die psycho-motorische Entwicklung von Kindern.

Dementsprechend soll das Konzept „spielende Stadt“ nicht nur auf eingegrenzten Plätzen umgesetzt werden, sondern sich wie ein roter Faden durch die ganze Stadt ziehen, und das generationsübergreifend.

Die Generationen untereinander haben zunehmend Kommunikationsprobleme – diesen kann entgegengewirkt werden, in dem alle Altersgruppen in der Stadt Anregungen zum gemeinsamen Spiel, gemeinsamer Bewegung und damit auch ins Gespräch finden.

Kinder und Jugendliche lernen Quickborn spielerisch und in Bewegung kennen.

…..und noch einmal in Stichworten:

Das Konzept „Spielende Stadt“ soll dazu beitragen,

  • Kindern auf spielerische Art im öffentlichen Straßenraum Sicherheit und Mobilität zu gewährleisten (eigenständige Mobilität)
  • Spielorte zu dezentralisieren,
  • generationsübergreifende attraktive Aufenthaltsorte anzubieten und
  • Wegeverbindungen zwischen für Kinder relevanten Orten auch optisch darzustellen.
  • Kinder können sich durch die Stadt „hindurch spielen“
  • der öffentliche Raum soll nicht nur nach dem Aspekt der Verkehrssicherheit beurteilt werden, sondern freies Bewegen und Spielen auf öffentlichen Wegen und Plätzen gewährleisten
  • die Rückeroberung der Straße durch Kinder und Jugendliche wird ermöglicht
  • Kindern können Freiräume zurück gegeben werden
  • einfache Spielgeräte oder Hüpfspiele können installiert werden
  • eine Wegesteuerung durch Geräte oder Objekte wird möglich
  • das Konzept ist erweiterbar, z.B. um Schulwegsicherungsprogramme und Straßenraumgestaltung
  • es kann eine kindgerechtere Perspektive der Stadtplaner und eine kinderfreundlichere Verkehrspolitik sowie
  • Gesundheit und Mobilität und
  • ein generationsübergreifendes Miteinander fördern
  • Kinderwege werden wieder attraktiv gestaltet, viele sind eintönig und langweilig (gefährlich!)

 

Umsetzung

Die Fragebogenaktion auf deren Grundlage auch unser Kinderstadtplan entstanden ist,

(Kinderstadtplan Quickborn im Internet unter www.stadtjugendpflege-quickborn.de und Anfang Januar 2012 auch in der Druckversion vorhanden)

bietet uns auch für die „spielende Stadt“ gute Hinweise. Kinder und Jugendlichen haben gute Treffpunkte, beliebte Plätze, aber auch Wünsche für attraktive Orte genannt.

In der Innenstadt wurden bei deren Erneuerung bereits kleine Spielbereiche eingerichtet, an denen angeknüpft werden kann. Am Dorotheenplatz sind entsprechende Veränderungen bereits erfolgt.

Die Stadt Quickborn unterhält 30 Spielräume und Bolzplätze, 2 immobile Jugendeinrichtungen mit attraktivem Außenbereich inkl. Wahrnehmungsparcour und Skateranlage, eine Kindertagesstätte, Sportstätten und 6 Schulen.

Daneben gibt es 8 weitere Kindertagesstätten freier Träger und Angebote von Vereinen und Verbänden.

Im Rahmen einer „spielenden Stadt“ können alle nach und nach verknüpft werden. Daran kann sich jede/r beteiligen.

Das mit dem Konzept „Haus am Freibad 25“ im Jahr 2012 eingerichtete Kinder- und Jugendbüro der Stadt Quickborn im Haus „Am Freibad 25“ ist Anlaufstelle für Kinder- und Jugendliche, aber auch für Eltern und alle, die mit Kindern und Jugendlichen ehrenamtlich oder hauptamtlich arbeiten.

Zentrale Anlauf-, Informations- und Vernetzungsstelle für Kinder und Jugendarbeit in Quickborn (ein Mini-Stadtmarketing für diesen Bereich).

Ziel ist es, hier einen Knotenpunkt zu gestalten, der im Netzwerk Quickborns alles vereinigt, was für und mit Kindern- und Jugendlichen bereitgehalten wird. Seit 2012 gewinnt diese Einrichtung zunehmend an Bedeutung.

Die Federführung für die Umsetzung des Konzeptes „Spielende Stadt“ liegt bei der Abteilung Jugend.

Die enge Kooperation mit anderen Fachbereichen, insbesondere Stadtentwicklung, Liegenschaften und Öffentliche Sicherheit ist dabei unerlässlich.

Das Thema „spielende Stadt“ sehen wir auch im Bereich Stadtentwicklung als einen Bestandteil.

Zeitplan

  1. a) der Zeitplan von 2011 und was bisher geschah:

Nach gemeinsamen Gesprächen mit den Fachbereichen Stadtentwicklung, Liegenschaften und Öffentliche Sicherheit im Januar 2012 sind im Rahmen des Konzeptes auf dem Rathausplatz als Startpunkt im Laufe des Jahres 2012 zusätzliche Sitzgelegenheiten mit Spieltischen geschaffen worden sowie Spielgeräte installiert. Vorhandene Betonsitze wurden gemeinsam mit der Einrichtung „Die Werkstatt“ mit bunten Holzsitzen ausgestattet.

Insgesamt ist nun auf dem Rathausplatz eine deutlich einladende Atmosphäre entstanden.

Der Fachbereich Jugend ist im Sommer 2012 in das Haus Am Freibad 25 umgezogen.

Wir haben verknüpft mit dem Umzug und der Einrichtung eines Kinder- und Jugendbüros den Weg vom Rathausplatz zum neuen Standort des Fachbereiches Jugend „spielende Stadt“ fortgesetzt. Es ist ein Weg angelegt worden und der Außenbereich wurde gestaltet.

Die gesamte Umsetzung erfolgte unter Beteiligung von 26 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren.

Vor dem „Haus 25“ und in dessen Außenbereich sind Sitzgelegenheiten und Spielmöglichkeiten installiert (alles 2012 ff ) und im Frühjahr 2015 ist mit der städtischen Kindertagesstätte ein Gartenprojekt begonnen worden. In den Jahren 2013 und 2014 ist das „Birkenwäldchen“ am Harksheider Weg in das Konzept eingebunden worden.

Dort finden sich seitdem ein Spinnennetz, ein Balanciergerät und verschiedene Sitzgruppen (die letzten wurden im Frühjahr 2015 aufgestellt).

  1. b) der weitere Zeitplan:
    • Hinweise (z.B. farbige Fußabdrücke am Boden) zum Haus der Jugend.
    • Hinweisschilder mit Wiedererkennungswert
    • Einbindung weiterer freier Flächen in der Stadt – z.B. innerhalb des neu errichteten „Blumenviertels“.
    • wir suchen eine Fläche für eine Boulebahn – allerdings unter der Voraussetzung, das sich engagierte Einwohner an der Umsetzung beteiligen – und
    • wollen unter derselben Vorgabe evtl. ein Schachfeld installieren. (beide Punkte wurden im Rahmen des Stadtmarketings von Einwohnern vorgeschlagen)
    • 2015 sind mehrere Termine zu Beteiligungsaktionen geplant, bei denen über Möglichkeiten und Vorschläge im Rahmen des Konzepts mit Interessierten jeden Alters erarbeitet werden sollen

Finanzen/Personal

Wir werden den bestehenden Etat für Spielräume dafür nutzen, der in seiner jetzigen Höhe von 59.000,– € langfristig erhalten bleiben soll.

Wir nutzen die bisherigen personellen Ressourcen, da die Spielplätze aktuell in einem guten Zustand sind.

Um die Pflege kümmert sich weiterhin der Bauhof mit uns zusammen.

Der Leistungskatalog mit dem Bauhof wird aktualisiert – Kapazitäten für Spielplätze, die geschlossen wurden, werden genutzt.

 

Beteiligung

Kinder und Jugendliche werden durch uns angesprochen.

An den Planungen und der Umsetzung kann sich aber letztlich jede/r beteiligen.

Die ersten Schritte, die sichtbar sind, haben positive Rückmeldungen hervorgerufen.

Im Rahmen der aktuellen Arbeitsgruppen im Stadtmarketing zum Beispiel sind Ideen entstanden, die mit eigenem Engagement von Mitgliedern dieser Gruppen verfolgt werden (z.B. Gestaltung von Stromkästen, Quickborn verschönern, eine Boulebahn und ein Schachfeld einrichten.)

Dieses Konzept ist einvernehmlich mit der Politik im Rahmen der Spielplatzbedarfsplanung abgestimmt und wird kontinuierlich transparent für alle aktualisiert.

Spielräume – Spielträume

aktualisiert Birgit Hesse am 10.07.2015

ursprünglich erstellt: Birgit Hesse, Vera Bornholdt im November 2011

Quellenhinweis: Christiane Harriehausen „Stiftungspreis 2009: Deutschlands erste bespielbare Stadt“ u.a. Homepage Stadt Griesheim (www.griesheim.de), Homepage Stiftung „Lebendige Stadt“, Hamburg

 

Termine